September 2015

Gedenken an Nils Weber

 

Am 25.09.2014 hat uns unser Nils für immer verlassen. Fünf Jahre hat er für uns Freie Wähler im Gemeinderat und zuletzt auch als Erster Vorsitzender unserer Wählervereinigung gewirkt. Trotz seiner Krankheit brachte er vollen Einsatz und auch Kampfgeist insbesondere für sein Bergheim. Die Blockierung der Stadtentwicklung in Bergheim Mitte durch die Pläne der RNV mit Neubau des Betriebshofes wollte er unbedingt verhindern. Aber etwa viel Schöneres gelang ihm mit Zähigkeit und Kreativität unter größtem persönlichen Einsatz: Die Neckarfähre "Liselotte" ist ein lebendiges Vermächtnis an die Stadt Heidelberg geworden. Regelmäßig streift das muntere Schiffchen Neckar-auf- und abwärts. Ich bin sicher, er sitzt am Bug und grüßt seine Frau Petra auf dem Rotenbühl.





Es war nicht einfach, seine Nachfolge zu regeln. Jetzt nimmt das Schiff der Freien Wähler mit neuer Besatzung wieder langsam Fahrt auf. Wir danken Nils für alles, was er für Heidelberg und die Freien Wähler in vielen Jahren geleistet hat!

 

Stadträte Dr. Ursula Lorenz, Raimund Beisel,

Ehrenvorsitzende Dr. Reinhild Ziegler

Die Mitglieder der Freien Wähler Vereinigung Heidelberg

Treffen mit den Kirchen am 25.09.2015

 

In jedem Jahr laden die Katholische und die Evangelische Kirche zu einer Besprechung mit dem Heidelberger Gemeinderat ein.

es ist wohltuend, wie harmonisch in Heidelberg die Vertreter beider Kirchen in Person von Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug und Dekan Dr.

Joachim Dauer sich gemeinsam um das Wohl unserer Stadt und ihrer Bürger bemühen. Auch die Zusammenarbeit mit der Stadtverwalung und dem GR ist absolut harmonisch. Wichtigste Aufgaben sind die Trägerschaft für Kindergärten, auch in den neuen Stadtteilen Bahnstadt und Konversionsflächen. Es gibt noch keine endgültigen Zusagen, da der Bedarf noch nicht feststeht. In der Bahnstadt wird ein Kirchenzentrum gewünscht. Der momentane Raum ist deutlich zu klein. Ein größerer Raum ist im Bereich Gadamer Platz reserviert aber noch nicht fest eingeplant.

Auch hier ist natürlich das Geld ein Hauptproblem.

Es wird auch ein Begegnungszentrum mit anderen Religionen und Strömungen innerhalb der protestantischen Kirchen gewünscht.

Großen Raum nahm das Problem Flüchtlinge ein.  demnächst werden in PHV

18 Sozialarbeiterstellen von Diakonie und Caritas betrieben sein. Das ehrenamtliche Engagement der Heidelberger wurde von Frau Dr. Schwöbel als "gigantisch" bezeichnet. Die Kommunikation mit dem Land hat sich offenbar auch verbessert.

Im Ausblick auf das Lutherjahr 2017 (500 Jahre Reformation) wurden von Frau Schöbel die geplanten zahlreichen Aktivitäten genannt. Man darf gespannt sein! Jedenfalls wird auch hier ökumenisch geplant. Das finde ich sehr gut und nicht selbstverständlich.

Das ist nur ein kurzer Ausschnitt aus den angesprochenen Themen.

Jedenfalls ist die Zusammenarbeit mit beiden Kirchen erfreulich und fruchtbar.

 

Ursula Lorenz

Heidelberger Herbst 2015

 

Am 26.09.2015 feierte Heidelberg bei strahlendem Sonnenschein den 26.

Heidelberger Herbst. zur Eröffnung trafen sich  Verwaltungsspitze, Gemeinderäte und andere Prominenz wie üblich im Kleinen Rathaussaal. Man trak sich Mut an für die kommenden Belasatungen.

Auf dem gut gefüllten Rathausplatz  gab Herr Hörnle von der Bühne auas launige Moderation und würdigte sogar die scheidende FWV Stadträtin Ursula Lorenz, auch Tante Uschi genannt, kurz mit anerkennenden Worten.

Das hat mich sehr gefreut. Er streifte noch einmal den außerordentlich harten OB Wahlkampf im vergangenen Jahr! Dann gab er em OB die Gelegenheit, mit seiner neuen Freundin Bilka Öney zu twittern. Das mißlang allerdings gründlich, da E. Würzner sich in keinster Weise auf die vorgegebenen 140 Zeichen hielt. Perleo konnte das besser und lud die Dame in zwei Sätzen ein zu kommen und zu schauen. Das wurde aber wohl gleich gelöscht...Der OB hielt natürlich auch eine Ansprache an sein Volk. Er lobte das phantastische Engagement der Heidelberger Bürger in der Flüchtlingsfrage und lud trotz alledem zum fröhlichen Feiern ein.

Dann ging es hinter kunstvoll geschwenkten Fahnen zum Rundgang durch die Straßen der Altstadt mit verlockenden Köstlichkeiten und über 100 Flohmarktständen. Ich hoffe, es kamen alle auf ihre Kosten und auch der zweite Tag mit dem Experiment " Familienherbst" und verkaufsoffener Sonntag ist gut gelungen. Am Wetter kann es jedenfalls auch am 2. Tag nicht gelegen haben.

Ich muß mich noch einmal zum verkaufsoffenen Sonntag äußern. Die Regelung, diesen Tag nur im Zusammenhang mit einem "Event" zu genehmigen, finde ich geradezu verlogen. Da wird eine künstliche Begründung zur Ausnahmeregelung konstruiert, die jeder vernünftien Begründung entbehrt. Dabei handelt es sich auch nur um einen Nachmittag von 14 bis 16 Uhr einmal im Jahr! Sollte das zum Untergang der Familien führen, weil ein Elternteil in dieser Zeit arbeitet, so ist es mit der Struktur einer solchen Familie ohnehin traurig. In die Kirche kann auch jeder gehen, da der Vormittag ausgeklammert ist. Aber da wird sich wohl gegen die Betonköpfe nichts machen lassen.

 

Ursula Lorenz

 

Jahreshauptübung der Freiwiligen Feuerwehr Heidelberg am 19.5.2015

 

In diesem Jahr fand die immer sehr interessante Jahreshauptübung der Freiwilligen Feuerwehr Heidelberg  auf dem ehemaligen Flugplatz der Amerikaner im Pfaffengrund statt. 100 Retter waren mobilisiert. Es begann mit strömendem Regen, Wasser wird bei der Feuerwehr grundsätzlich unverzichtbar gebraucht. Man nimmt aber Leitungswasser. Die Tanks müssen sauber sein, da sie im Notfall auch zur Trinkwasserversorgung der Bevölkerung eingesetzt werden müssen. Es wurden Notsituationen verschiedener Art lebensnah gestellt und bewältigt: Brand eines Wohnhauses mit Personenrettung vom Dach und aus der 2. Etage. Es qualmte und rauchte und die Gefährdeten schrien laut um Hilfe, mit Tatü-Tata brausten zahlreiche Rettungswagen mit Wasserschläuchen und langen Leitern herbei. Es gab keine Toten.. Ein Tank mit Flüssiggas brannte ohne zu explodieren, eine Person wurde in Sicherheit gebracht.

Zwei PKW waren heftig mit einem Traktor mit Pfluganhänger kollidiert, 2 Personen waren in den Autos eingeschlossen. Interessant: Die Rettung ging in Ruhe umsichtig vonstatten. Hektisches Tun ist hier fehl am Platz. Leider gab es nur wenig Zuschauer, insbesondere auch wenig Stadträte (CDU ausgenommen). Schön war zu sehen, wie ein gesetzter Feuerwehrmann eine Gruppe von Kindern ans Geschehen heranführte. Wir alle brauchen die Freiwillige Feuerwehr für unterschiedlichste Notfälle.

Das alles geschieht im ERHRENAMT. Alle sind berufstätig, da mit Eintritt ins Rentenalter mit 65 Jahren das Einsatzende unweigerlich einsetzt.

Ihnen allen gilt unser Dank. Mein Fazit: wenn schon Unfall, dann in Heidelberg. Hier wird alles für die Menschen getan

 

Ursula Lorenz

 

Rohbaueinweihung für den "TANK-TURM" in der Bahnstadt.

 am 18.9. 2015 öffnete ein neues kleines Juwel seine Türen zu einer ersten Besichtigung im Rohbauzustand. Im quadrarischen Backsteinturm neben dem Bauhaus wird vom Architektentrio
Loebner-Schäfer-Weber ein eigenes Büro sowie  multifunktionale Räume für das Klangforum und andere Kulturanbieter entstehen. Der größte Saal ist für 100 Personen ausgelegt, kleinere Räume können unterschiedlich genutzt und gerne auch vermietet werden. Von ganz oben hat man einen herrlichen Blick auf das gesamte Areal bis zum Odenwald und in die Pfalz. Hier war ursprünglich der Wassertank für die Lokomotiven im Dampfbetrieb. Mit der Elektrofizierung 1962 entfiel diese Aufgabe. jetzt stand das Ensemble jahrelang leer. Die Architekten haben erfolgreich die Auflagen des Denkmalschutzes mit den Nutzungsbedürfnissen vereint. Noch ist nur der Rohbau saniert, Bis zum Beginn 2016 hofft man fertig zu werden.
Wir Freien Wähler werden gratulieren und sicher einmal Räume für eine Veranstaltung mieten.
Die kleine Einladung gab mir Gelegenheit, meine Nachfolgerin Dr. Simone Schenk vorzustellen. Sie machte  die meisten Photos.

Ursula Lorenz

Fraktionen neu im Rathaus

am 14.9.2015 stellten die drei großen Fraktionen ihre neuen Räume im Rathaus vor. Sie sind jetzt nebeneinander im Erdgeschoß zu finden.

Vorteil: die direkte Kommunikation ist leichter, der Kontakt mit der Verwaltung  auf kurzem Weg. Wie haben das Angebot einer gemeinsamen Nutzung mit anderen zunächst nicht realisiert, haben wir doch keine ständige Besetzung einer Fraktionsgeschäftsstelle nötig. Im Namen der AGF FWV-FDP habe ich artig gratuliert und ein kleines Geschenk mitgebracht in Form von Kunstblumen: Dahlie in Merkelfarbe für die CDU (schwarze Blumen sind ungemütlich), rote Rose für die SPD, Grüner Efeu für "die Grünen". Man freute sich. Wir wünschen segensreiches Schaffen unterm Rathausdach für unsere Stadt.

 

Ursula Lorenz

Sondersitzung des Gemeinderates am 16.09.2015 zum Thema Flüchtlinge

 

In einer kurzfristig angesetzten Gemeinderatssitzung am 16.9. gab es die Gelegenheit, mit dem obersten Koordinator für die Organisation aus Stuttgart dieses brennende Problem zu diskutieren. Die Athmosphäre war emotional aber dennoch sachlich und erfreulich: die Gelegenheit wurde nicht als parteipolitische Kampfarena mißbraucht. Es war allgemeiner Konsenz, dass die Not der Menschen vorrangig zum Handeln zwingt.

Allgemeines Mißfallen der Landesregierung gegenüber kam aber deutlich zum Ausdruck. Es ist unbegreiflich, dass von Seiten der Regierung immer wieder grobe Fehler bei der Kommunikation zwischen Stuttgart und den Vertretern von Heidelberg das Vertrauen unterspülen. Zahlreiche Zusagen wurden nicht eingehalten, die Pläne, PHV in ein großes Erstaufnahme und Ersterfassungslager umzufunktionieren, erfuhr unser OB durch die Zeitung. Das geht absolut nicht. Von der Integrationsministerin Frau Öney erwarten wir inzwischen nichts mehr. Sie habe ihren Twitterzugang kurzfristig für die Kommunikation mit Heidelberg unterbrochen. Ich halte diese Person für nicht mehr tragbar und ihrer Aufgabe nicht gewachsen.

Sie hätte sich auch direkt mit unserm OB in Verbindung setzen müssen.

Aber wichtiger: bis auf die Vertreter der AFD waren alle einig und willig, die notwendige Hilfe nicht zu behindern. Wir werden sorgfältig beobachten, wie die von Herrn Schröder genannten organisatorischen Maßnahmen umgesetzt werden. Er hat versprochen, diesen Auftrag mit nach Stuttgart zu nehmen. Konkrete Zahlen und Zeitangaben konnte er nicht geben. Das muß man akzeptieren. Wann wir wieder Planungen für PHV in unserm Sinn aufnehmen können, ist ebenfalls ungewiss. Das Problem wird uns noch lange beschäftigen. Erfreulich: der allgemeine Tenor war: "Wir schaffen das".

Ich denke, für die gewaltige Hilfsbereitschaft der deutschen Bevölkerung sind die Bilder im Fernsehen ein wesentlicher Impuls.

 

Ursula Lorenz

Liebe Heidelberger/Innen

 

seit 1998 durfte ich mich regelmäßig im Stadtblatt an Sie wenden. Am 8.10. werde ich den Gemeinderat verlassen. Ich bin dankbar für eine schöne Zeit, in der ich mich für Heidelberg einsetzen durfte. Heidelberg hat sein Gesicht verändert. Unsere Gesellschaft hat gelernt, sich aktiv einzubringen (für einige Großprojekte fand ich das eher kontraproduktiv, aber das ist gelebte Demokratie). Wir spüren jetzt die Folgen der globalen Veränderungen. Verglichen mit den Problemen der nahen Zukunft waren all die Jahre mit teilweise heftigen kommunalen Streitereien bedeutungsarm. Ich wünsche dem Gemeinderat in Solidarität mit der Bevölkerung Kraft und Durchhaltevermögen bei der Bewältigung der großen Aufgabe der Integration der Menschen, die sich in unseren Schutz begeben. Wir haben das große Glück, seit 70 Jahren in Frieden zu leben. In den Jahren davor hat Deutschland Terror und Not verbreitet. Jetzt haben wir die Chance, ein neues Deutschland zu leben.

Ich danke allen für ein gutes Miteinander und freue mich, in Simone Schenk eine hervorragende Nachfolgerin zu haben!

 

Ursula Lorenz

Fischerfest in Neuenheim

 

vom 5.-6.9.2015 fand in Neuenheim das traditionelle Fischerfest statt.

Gleichzeitig wurde 1250 Jahre Neuenheim gefeiert. Das wurde auch durch zahlreiche "Politprominenz" am 5.9.2015 gewürdigt. Die Stadtteilvereinsvorsitzende Ilone Appel begrüßte die Gäste: OB Dr.

Würzner, Drei Mitglieder der Deutsschen Bundestages (Franziska Brantner, Lothar Binding, K.A. Lamers), die Landtagsabgeordnete Theresia Bauer, Bürgemeister Dr. Joachim   Gerner, Bürgermeistter Wolfgang Erichson und zahlreiche Stadträte. Wir Freien Wähler waren mit unserer kleinen Truppe vollständig erschienen (Raimund Beisel und Ursula Lorenz). Es ergab sich eine gute Gelegenheit, meine Nachfolgerin bekannt zu machen. Frau Dr. Simone Schenk wird mich ab 8.10. im Stadtrat ablösen. Wir freuen uns schon beide darauf!

Der Fanfarenzug gab das Startsignal, der Himmel blieb trocken, so fehlte se an nichts. Solche Feste tragen immer wieder zur guten Kommunikation bei. Dank allen den zahlreichen Helfern, die das Gelingen möglich machen.


Ursula Lorenz

von l.n.r: Jörg Götz Hege, Inst.für Heilpädagogik; Raimund Beisel; Christopher Klatt, StV Schlierbach. Foto: Welker
von l.n.r: Jörg Götz Hege, Inst.für Heilpädagogik; Raimund Beisel; Christopher Klatt, StV Schlierbach. Foto: Welker

Bürgerfest in Schlierbach - “Hiwwe un Driwwe”

Schlierbach beging seinen 775. Geburtstag. Der Stadtteilverein Schlierbach und das Institut für Heilpädagogik und Erziehungshilfe veranstalteten das Bürgerfest unter dem Thema “Frieden”. Aus diesem Anlass überreichte Raimund Beisel in seiner Funktion als Stadtrat und Vertretung des OB Würzner eine von Altbundespräsident Roman Herzog gestiftete, aus Bronze gegossene Friedenstaube.
Roman Herzog wohnte einst in Ziegelhausen, deshalb bot es sich an, dass Raimund Beisel, der auch den Vorsitz des Stadtteilvereins Ziegelhausen-Peterstal innehat, von “driwwe” die Taube zu überreichen.

Raimund Beisel


Stadtteilfeste
In allen Stadtteilen werden die Brunnen, Brückenfeste, Kerwen und viele andere Feste gefeiert. All diese Veranstaltungen werden von Vereinen, oft den Heidelberger Stadtteilvereinen und Ihren unzähligen fleißigen Helferinnen und Helfern ausgerichtet. Oft sind es uralte Bräuche die erhalten und weitergegeben werden.
Kerwen erinnern an die Kirchweihe, die früher das wichtigste Fest des Dorfes war .Für besondere Stimmung sorgen vielerorts die Kerweschlackel, die mit Ihrer Kerweliesel, einer Strohpuppe, durch die Stände ziehen. In Ziegelhausen gesellen sich noch die Wäscherinnen der ZKG dazu, die mit Ihrem Wäscherinnentanz, die Besucher erfreuen. Hinzu kommen der Fassbieranstich, der Kerwelauf, das Salutschießen der Schützen, der Kerwefährmann und vieles andere.


Auch dieses Brauchtum ist Teil unserer Stadtkultur und deshalb auch entsprechend finanziell zu fördern. Mein besonderen Dank und Respekt zolle ich all den Grillmeistern, Bierzapfern und Helferinnen und Helfern die in glühender Hitze, in den Zelten und Ständen für Ihre Vereine und damit zum Wohl uns aller Ihre Freizeit und das Wochenende opfern und dabei noch all die Vorschriften und Auflagen vieler Ämter beachten und erfüllen.

 


Leider schmälern stark gestiegene Kosten unter anderem die der Gema, oft den finanziellen Erfolg.

 

Raimund Beisel

 

Flüchtlinge und Deutsche Vergangenheit.

 

Die täglichen erschütternden Nachrichten über die Flüchtlinge, die zur Zeit (und vermutlich noch lange) auf dem See- oder Landweg nach Europa strömen, erwecken Erinnerungen an die Zeit, als unser Land  schon einmal Zuflucht für viele, viele Menschen wurde. Auch am Ende des zweitenWeltkrieges gab es eine Art Völkerwanderung. Nur machten sich damals Menschen aus dem deutschen Kulturkreis in Richtung Westen auf und brachten sich vor den Russen in Sicherheit. Ich bin damals 1945 mit meiner Familie von der Ostsee an die Elbe marschiert. Auch als Kind habe ich den Moment gespürt, als wir das sichere linke Elbufer erreichten. Bombennächte und Tieffliegerbeschuß hatten ein Ende. Die Bilder der Menschenketten durch den Balkan erwecken Erinnerungen. 1945 waren auch noch ganz andere Menschen unterwegs. Wir waren im Urlaub in der Gedenkstätte des KZ Bergen-Belsen. Man kann sich auch an Ort und Stelle nicht vorstellen, welche unglaublichen Menschenmengen allein durch dieses eine Lager unter katastrophalen Bedingungen geschleust

wurden. Es gab mehrere hundert KZ Einrichtungen. Und besonders deprimierend: tausende "Normale" deutsche Staatsbürger waren Handlanger, Planer vielleicht auch nur Mitläufer der unmenschlichen Organisation. 1943 bis 1945 starben hier mindestens 52 000 Inhaftierte unter der Herrschaft der SS. Im benachbarten Kriegsgefangenenlager starben etwa 20 000 Gefangene, vorwiegend Russen. Noch 1945 gab es Transporte von Tausenden Häftlingen von Auschwitz nachBergen-Belsen, unter Ihnen Anne Frank und ihre Schwester, die beide kurz vor der Befreiung durch die britische Armee an Fleckfieber starben und in einem Einzelgrab bestattet wurden.. Man wollte verhindern, dass die russische Armee die ausgemergelten Opfer fand. Andererseits wurden Gefangene aus Bergen-Belsen in Zügen durch das halbe Land transportiert unter unvorstellbaren hygienischen Bedingungen und dem oft tödlichen Hunger ausgesetzt. Fleckfieber und andere Krankheiten übernahmen neben dem Hunger die Aufgabe der Gaskammern. Die Gedenkstätte ist würdig und eindrucksvoll gestaltet, Massengräber mit ca. 20 000 Leichen in Sargform bergen die Überreste der Gestorbenen. Im Infozentrum ist ausführliches Material zu finden. Warum schildere ich das: wir sind geneigt, uns über die Gräueltaten der IS zu empören. Waren wir besser??? Vor allem aber: Man sieht dort hautnah, wie sehr das Volk der Nazipropaganda in kurzer Zeit erlegen war. Folgerung: Wehre dem Anfang. Man sah es den Bürgern nicht an, zu welchen Taten sie fähig sind. Deshalb sind auch unsere jährlichen Veranstaltungen zur Prognom-Nacht und die Fahrten nach Gurs so wichtig.

Wir dürfen nicht vergessen.

Wir müssen aber den Menschen in Not, die jetzt zu uns kommen helfen und allen Andersdenkenden ein klares Haltentgegensetzen.

 

Ursula Lorenz

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